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DER SELIGE LADISLAUS FÜRST BATTHYÁNY-STRATTMANN |
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Der „Arzt der Armen“ Dr. Ladislaus Fürst Batthyány-Strattmann
„Wenn ihr glücklich sein wollt, macht andere glücklich."
Wenn die Menschen doch beten würden! Alle Politik, alles Elend, alles wäre gut, nur Gebet, warmes, stürmisches Gebet zum himmlischen Vater. Er wartet darauf! Er will es! – Und die Welt? Diese Zeilen schrieb der Österreicher und Ungar Dr. Ladisdlaus Fürst Batthyány-Strattmann, auch „Arzt der Armen“ genannt, am 22. Januar 1926 in sein Tagebuch. Am 23. März 2003 wurde er in Rom vom Heiligen Vater selig gesprochen. |
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Im Alter von 25 Jahren jedoch trat eine Wende in seinem Leben ein. Er entschloss sich – für seinen gesellschaftlichen Umkreis unüblich – einen bürgerlichen Beruf zu ergreifen und mit dem Studium der Medizin zu beginnen. Drei Jahre später, am 10. November 1898 heiratete er Gräfin Maria Theresia Coreth, die Frau seines Lebens. Nun begann der „franziskanische Fürst“ endgültig seinen Weg zu finden. Dass seine „Misl“ dazu wesentlich beigetragen hat, dürfte unbestritten sein. 13 Kinder gingen aus dieser Verbindung hervor. Ein Erzieher erinnerte sich: Eine so innige Familienbeziehung, eine so liebevolle Atmosphäre und vergnügte Heiterkeit habe ich nirgends und auch nur annähernd so herzlich erlebt. Langsam wuchs auch seine Hingabe zu Gott und damit sein Wunsch, ganz, ganz lieben zu wollen - aber ohne Sentimentalität - und danach zu handeln: im Gebet, in der Arbeit als Arzt und als Ehemann, als Familienvater und im liebevollen Umgang mit den Mitmenschen. 1898 errichtete er aus eigenen Mitteln nahe seines Schlosses im nordburgenländischen Kittsee ein modernes Krankenhaus. Mehr als zwei Drittel seiner Einkünfte investierte er in dieses Spital, um so für seine „lieben Kranken“ Gutes tun zu können. Geld nahm er von seinen Kranken keines. Er behandelte täglich 80 bis 100 Patienten. Er bezahlte häufig die verschriebenen Medikamente selbst und kam sogar für die Reisekosten seiner Patienten auf. Entlohung für die ärztliche Behandlung nahm er auch von den wohlhabenden Leuten nicht an, erinnerte sich ein ehemaliger Patient. Er ersuchte sie nur für eine Wohltat für die Armen, und zu den Armen sagte er, sie sollen für ihn beten. Im Jahre 1915 zum Fürst und Chef der Familie Batthyány geworden, verließ er das Krankenhaus Kittsee, welches aber weiter bestehen blieb, und übersiedelte mit seiner Familie auf den Hauptsitz Schloss Körmend nach Ungarn. Dort errichtete er sofort ein weiteres Krankenhaus und setzte seine Arbeit als Arzt fort, wobei ihm seine Frau oft assistierte. Stets versuchte er sich für seine Patienten möglichst viel Zeit zu nehmen, schlechte Laune vor der Türe des Krankenzimmers abzulegen und nicht ungeduldig zu sein. Er bemühte sich, seinen „lieben Kranken“ aufmerksam zuzuhören, sich zu merken, was sie sagten und jeden Handgriff am Krankenbett mit Sanftmut und Rücksicht zu machen, ohne dabei aufdringlich und unnatürlich zu sein. Dabei fühlte er sich selbst bloß als Werkzeug Gottes und wollte bewusst als Arzt der Armen nicht nur den Körper, sondern auch die Seele heilen. Seinen Dienst am Kranken begann und beendete er mit einem Besuch des Allerheiligsten in der Hauskapelle. Über seine Arbeit schrieb er: Ich liebe meinen Beruf, der Kranke lehrt mich Gott immer mehr lieben, und ich liebe Gott in den Kranken, der Kranke hilft mir mehr als ich ihm! Er betet für mich und überhäuft mich und meine Familie mit Gnaden. Der Kranke macht mich dank Gottes Güte zu einem Simon von Cyrene, indem ich helfe, das Kreuz Christi zu tragen, das Kreuz des Nächsten durch Nächstenliebe! Und ein andermal: Nach der Heiligen Messe, bei der ich auch ministrierte, begann ich wieder mit der Ordination. Vormittag waren 40 Augenkranke bei mir, und am Nachmittag kamen noch drei aus Raab, Güns und Budapest mit dem Zug. Zum Schluss riss ich noch zwei armen Leuten die Zähne. Ich war wieder in meinem Element, in der ärztlichen Arbeit. Da kann man so viel Wärme des Herzens austeilen, die armen Kranken suchen ja so viel Liebe! Gott gebe mir, dass ich zu Seiner Ehre recht vielen helfen kann. Recht viele trösten, ihre Herzen zu Gott führen! Der Fürst war sich seiner Verantwortung bewusst. Er stand fest im Leben und versuchte durch Gott die Menschen und durch die Menschen Gott zu lieben. In seinem Tagebuch findet sich folgende Aufzeichnung: Vor ein paar Tagen der Zungenkrebs mit grausiger Operation, gestern die freudige Entbindung eines Kinderl, heute hatte ich drei Stare in meinem Spital. Von all diesen Freuden und Leiden weiß die moderne Menschheit in Klubfauteuiles bei Sherry nichts! Und doch tausche ich mit niemandem, und 1000mal geboren, sage ich 1000mal meinem Gott im Himmel: „Herr, lass mich wieder Arzt werden, aber für Dich, zu Deiner Ehre arbeiten!“ Nach dem Tod seines Onkels Fürst Edmund verlieh ihm Kaiser Franz Joseph 1915 den Fürstentitel und nahm ihn in den Orden vom Goldenen Vlies und in den St. Stephansorden auf. Der Papst verlieh ihm den Orden vom Goldenen Sporn, die Ungarn wählten ihn in das Oberhaus und das Komitee des Internationalen Eucharistischen Kongresses zu seinem ordentlichen Mitglied. Auch war er Mitglied der ungarischen Akademie der Wissenschaften. Trotz oder gerade auf Grund dieser Ehrungen scheute er die Öffentlichkeit, denn er wollte nicht im Mittelpunkt stehen. Die Größe und Einfachheit ist neben seinem Reichtum und seiner Würde gestanden, berichtet ein häufiger Gast des Hauses. Und während er gegenüber seinen Patienten und als Patronatsherr von 13 Pfarrkirchen und mehreren Schulen großzügig aus seinem Vermögen spendete, versuchte er seine Kinder gleichzeitig zu einem bescheidenen und arbeitsamen Lebensstil zu erziehen. Fürst Batthyány-Strattmann liebte auch Oberflächlichkeiten nicht. Eine Salonkonversation ohne Zweck hasste er. Hier kann übrigens gesagt werden, dass er nie über andere lieblos redete, aber auch solche Reden nicht hören konnte. Im Familienkreis verbot er diese offen, bei Fernstehenden ging er aus dem Zimmer oder wusste alles so zu drehen, dass ein anderes Thema genommen wurde, so seine Schwester In seinem Tagebuch schrieb er: Eigentlich ist jeder Mensch nur so viel wert, als er vor dem lieben Gott wert ist, denn die Eigenschaften, die wir im Menschen hochschätzen auf Erden, sind Rechtschaffenheit, Wahrhaftigkeit, Nächstenliebe, und alle diese und die anderen nicht aufgezählten sind ja natürliche Folgen der Gottesliebe. Sein Glaube war innig, tief, lebendig und kindlich. Sein religiöses Leben, das seinen Alltag prägte, war von einer innigen Verehrung der Mutter Gottes und von einer großen Liebe zur heiligen Eucharistie getragen. Besonders gerne betet er den Rosenkranz. Im Gebet sah er eine Macht, die den Menschen lieben lehrt und mit Gott verbindet. Seit dem Kommunion-Dekret von Papst Pius X. (1905) empfing er täglich die hl. Kommunion. Dazu eine Notiz aus seinem Tagebuch: Gottlob! Am heutigen Marienfesttage konnte ich wieder in die hl. Messe und zur hl. Kommunion gehen. Es ist ja so kein richtiger Tag, wenn wir dies nicht tun können. Und die hl. Kommunion ist ja das Schönste am ganzen Tag! Sein Pfarrer schrieb über ihn: Für den Fürsten bedeutete die Eucharistie keineswegs nur eine Andachtsübung, sondern die tatsächliche Gegenwart Jesu, zu dem er geht, den er sieht und hört und den er voll Glückseligkeit anbetet. Im Alter von 60 Jahren erkrankte er an Krebs. Sein vierzehn Monate langes Leiden im Wiener Sanatorium Löw (jetzt Privatklinik) aber ließ ihn weiter reifen. Das Krankenzimmer wurde zu einer Art Wallfahrtsort, von wo die Menschen erschüttert und tränenvoll, aber gestärkt im Glauben fortgingen, so eine Biographin. Am 22. Januar 1931 stirbt Ladislaus Batthyány-Strattmann im Ruf der Heiligkeit. Einen Tag vor seinem Tod bat er seine Familie: Tragt mich auf den Balkon, damit ich in die Welt hinausschreie, wie gut der liebe Gott ist! Nuntius Schioppa schrieb damals an den Heiligen Vater: Die Leute halten den Fürsten für einen Heiligen. Ich kann Eurer Heiligkeit versichern, dass er es ist. |
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Ladislaus wurde am 28. Oktober 1870 als Spross des alten ungarischen Adelsgeschlechts in Dunakiliti im Komitat Wieselburg in Ungarn geboren. Seine Kindheit war von Schicksalsschlägen und großen Belastungen geprägt. Sein Vater, kaiserlich-königlicher Kämmerer und Obergespan von Wieselburg, verließ die Familie, und seine heiß geliebte Mutter starb nach langer Krankheit als Ladislaus nicht ganz zwölf Jahre alt war. Als Bub und als junger Mann war seine Lebensführung gar nicht heiligmäßig. Seine Schulleistungen waren mangelhaft, wegen „Streichen“ musste er drei Mal die Schule wechseln. In Wien studierte er zunächst Chemie, Philosophie und Astronomie. Aber sein Leben war ohne Ziel und Richtung und geprägt von seinem zum Cholerischen neigenden Charakter. Aus einer kurzfristigen Liebesbeziehung stammte sogar eine Tochter, für die er aber lebenslang väterliche Verantwortung trug. |
